Düren-Trier 2009

Erster Versuch: Juli 2009

Gemeinsam mit dem Journalisten Matthias Rotter fahren Michael (on any sunday) und ich einen EifelX für’s
Bike-Magazin. Die
Story von Matthias ist auf der bike-Homepage zum kostenlosen Download als pdf zu finden.
Die Wetteraussichten sind bescheiden, aber wir wollen es trotzdem wagen.

Dienstag, 07.07.2009

Ich habe noch eine morgendliche Verabredung mit meinem Zahnarzt zu jährlichen Kontrolle (ok, es war wieder Mal mehr als ein Jahr
her), als ich um 10 Uhr zu Hause ankomme ist Matthias gerade vorgefahren. So wird erstmal Cappuccino getrunken und ein paar Karten studiert.

Um 1/2 11 sind pünktlich Michael mit seinem Panzer und Kalli, der das Auto zurückfährt, da und wir starten nach Großhau.

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So sparen wir uns 250 Hm und einige eher langweilige km auf die Hochebene des Hürtgenwaldes und können fast sofort in die anstehende Trail-Orgie eintauchen. Michael führt uns auf bekannten Pfaden verschlungen in Richtung Roetgen (auch wenn er nicht immer seinen eigenen GPS-Tracks vertraut).

Wir befinden uns hier auf geschichtsträchtigem und blutigem Boden: Roetgen wurde am 12.09.1944 als erster deutscher Ort von den Amerikanern eingenommen. Der Hürtgenwald selber war eines der blutigsten Schlachtfelder, auf das sich die Amerikaner je begeben haben. Zwischen Oktober und Anfang Dezember 1944 starben hier allein 32.000 amerikanische Soldaten. Zum Glück ist die Querung heute wieder gefahrlos möglich, wenn auch immer noch jedes Jahr sterbliche Überreste von Soldaten hier gefunden werden.

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Auf Wiesentrails werden die ersten Photos gemacht, dann an einer Windbruchfläche in der Nähe des Rennwegs oberhalb der Wehebachtalsperre:

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Vorbei an der Wehebachtalsperre, ein bisschen Forstautobahn und wieder Trails Richtung Vicht, hinter der Tankstelle biegen wir auf den parallel zur L238 verlaufenden Trail ein, der Matthias richtig gut gefällt:

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- wird wohl nicht in die Empfehlungen des Bike-Magazins kommen :lol:!

Dann erprobt Michael die Tiefe eines Schlammlochs:

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Tief genug!

Am Vichtbach gibt es die nächste ausgedehnte Foto-Session, immer wieder fahren Micha und ich am Bach entlang und Matthias fotografiert vom Felsen herunter. Aufwändig und zeitraubende Sache, solche Bilder zu machen!

So kommen wir erst gegen 14 Uhr in Roetgen an, bisher hat das Wetter einigermaßen gehalten. Teilchen und Getränke im Supermarkt, dann prasselt eine kurze, aber heftige Schauer auf uns herab, zum Glück können wir uns an den Einkaufswagen unterstellen.

Nach einer kleinen fast sinnfreien Irrfahrt durch Roetgen, die von lustigen Erlebnissen in der örtlichen Sparkassenfiliale unterbrochen wurde, fahren wir die Trails an Schleebachgraben und Hasselbachgraben entlang. Diese beiden Gräben sichern die Wasserversorgung der Dreilägerbachtalsperre. Diese ist eine der ältesten Talsperren, erbaut zwischen 1909 und 1911 im engen Dreilägerbach-Tal. Allerdings hat der Dreilägerbach ein Einzugsgebiet von nur 12 km² - und kann so nicht die benötigte Wassermenge liefern. So wurden mehrere Lösungen gefunden, die den Wasserbedarf für die steigende benötigte Trinkwassermenge liefern können: die beiden 1920 erbauten Gräben erwetern den Einzugsbereich auf das ca. Doppelte, indem sie das Oberflächenwasser aus einem wesentlich größeren Gebiet der Talsperre zuführen. Da dies noch nicht ausreichte wurde zusätzlich die Dreilägerbachtalsperre mit einem Stollen mit dem Kallbach verbunden. Später wurde hier die Kalltalsperre errichtet, die nun für eine hinreichende Wasserversorgung der Dreilägerbachtalsperre sorgt. Neben der Wehebachtalsperre und der Perlenbachtalsperre wird so der Trinkwasserbedarf eines großen Gebietes gedeckt.

Für uns als Mountainbiker sind die Trails allerdings interessanter: wir sehen keine Wanderer, was am Wochenende oder bei schönerem Wetter ganz anders aussehen kann. Dann heißt es absteigen, denn die Pfade sind nicht breit genug für Gegenverkehr! knapp 4 km lang ist der Schleebachgraben, der Hasselbachgraben sogar fast 8 km - genug Trailspass also. Die Steigungen sind naturgemäß kaum wahrzunehmen, die Fahrtechnik sollte am Ende des Hasselbachgrabens aber schon ganz solide sein, insbesondere wenn es nass ist wird der sehr verwurzelte Trail schwierig und es besteht immer die Gefahr, in den Graben abzurutschen und sich nasse Füße zu holen.

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Ich habe übrigens geflunkert: es handelte sich bei meinem morgendlichen Zahnarzt-Besuch nicht um die Routinekontrolle, sondern um eine Befestigung sämtlicher Plomben - ich wusste ja, welche Wege auf uns warten!

Auf dem Weg zur Kalltalsperre zieht es mehr und mehr zu, regnet aber noch nicht - das ändert sich dann vor Simmerarth. Regensachen raus, gut eingepackt fahren wir ins Tiefenbachtal und am Tiefenbach entlang ins Rurtal nach Dedenborn ab. Es ist schon reichlich spät, als EifelX-Erfahrener bekomme ich langsam Muffen, eine Unterkunft zu finden. Ich kann mich mit meinen zaghaft vorgebrachten Bedenken aber nicht durchsetzen, so dass wir nicht in Hammer bleiben, sondern weiter der Rur mal am Fluss, mal deutlich oberhalb nach Monschau folgen.

Der Versuch im ersten Hotel wird mit der Antwort: “Wir haben gar keine Zimmer” beantwortet (Hotel hab ich gesagt!), das nächste hat zwar gerade wegen akutem Gästemangel die Küche zugemacht (es ist viertel nach acht!) - aber wir bekommen ein großes Apartement mit drei Schlafzimmer. Nasse Sachen ausziehen, Duschen, alles dreckig machen, und dann machen wir uns auf die Suche nach Abendessen. Die Lokale, die um kurz nach acht noch alle geöffnet waren haben mittlerweile (viertel nach neun) fast alle zu, schnell in die erstbeste Pizzeria.

Matthias realisiert so langsam, dass er sich in Preußisch-Sibirien befindet, als es keine Möglichkeit gibt, noch ein Bier o.ä. für das obligatorische Tour de France-Gucken zu bekommen (Manschaftszeitfahren - Astana/Lance Armstrong verpasst mit 22/100 das gelbe Trikot, belegt aber jetzt die Plätze 2-5 - die sind aber nicht gedopt!).

Daten:
81 km
1320 Hm
Fahrzeit und Schnitt nicht isolierbar: die Fotoaktionen haben das natürlich völlig durcheinander gebracht!

Mittwoch, 08.07.2009

Es regnet. Und der Wetterbericht sagt, dass es morgen so bleibt. Entsprechend schlecht ist die Laune von Matthias: “70% eines Reiseberichts sind die Fotos. Und Regenbilder kauft mir keiner ab, egal, wie authentisch das ist!”

Beim Frühstück die nächsten Erlebnisse der besonderen Eifelart: Keine Bedienung weit und breit, Müsli, aber keine Milch, Aufschnitt, aber kein Brot. Dann guckt sie rein - und verschwindet sofort wieder, Brötchen organisieren, die nicht geliefert worden sind.

Irgendwann kommen Brötchen, Kaffee und Tee und sogar Milch (unser Müsli hatten wir zwischenzeitlich mit dem vorhandenen Joghurt verdrückt)

Bezahlen, einkaufen: “Wo gibt es denn hier nen Supermarkt?” - “In Imgkenbroich!” - Jetzt glaubt uns Matthias endlich, dass man als Radfahrer in der Eifel durchaus vor größere logistische Probleme gestellt werden kann als in den Alpen!

mit dreckigen Fahrräder

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verlassen wir das Hotel Horchem

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und kaufen in einem winzigen Laden das Nötigste ein.

Monschau:

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Nepomuk, der Brückenheilige, macht mit uns weitere Fotoversuche, auch wenn das Licht mehr als bescheiden ist

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In kompletter Regenmontur fahren wir ein paar Felsentrails oberhalb von Monschau Richtung Perlenbachtalsperre, müssen aber viel schieben und lassen die schönste Abfahrt wegen dem Wetter aus - unfahrbar.

Entlang Perlenbach und Fuhrtbach fahren wir bei Regen durch die Narzissenwiesen, auch im Sommer sehr schön. Der Himmel reißt kurz auf, so dass wir noch einen Fotoversuch machen, aber als es dann nach diesem Bild am Ende des Fuhrtbachtals an der belgischen Grenze

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so richtig losgeht mit dem Regen beschließen wir, die Tour abzubrechen und fahren über die Oleftalsperre, Hellental und Gemünd nach Kall, von dort mit der Bahn zurück nach Euskirchen.

Die Fertigstellung des Projektes EifelX wird verschoben, so dass ich auch noch was Zeit habe, die Tracks und Trails zu optimieren - ich hab da schon ein paar Ideen ;)

Zweiter Versuch: Ende August 2009

Bei stabiler Wetterprognose und einem schmalen Zeitfenster gelingt es ganz kurzfristig, einen neuen Termin zu finden (29.-31.08.2009). Leider kann Micha diesmal nicht dabei sein, dafür gewinne ich Eddy als Partner für das Unternehmen, der sich auch sofort mit vollem Einsatz in die Routenplanung stürzt. Ein leckeres Planungsabendessen später sehen wir klar und beschließen, am Samstag morgen mit der Bahn nach Jünkerath zu fahren.

Samstag, 29.08.2009

Matthias schlägt übernächtigt frisch aus den Alpen zum Frühstück in Euskirchen auf, mit massig Cappuccino wird versucht, die Fahrtauglichkeit herzustellen. Auf dem Bahnhof dann zeigt sich, dass es nur ein bedingt guter Einfall ist, an einem Samstag vormittag bei schönem Wetter mit der Bahn in die Eifel zu wollen: schon auf dem Bahnsteig tummeln sich eine ganze Reihe Radler, der einzige Gepäckwagen ist so voll, wie ich es sonst eigentlich nur von der Transalp-Rückfahrt in Rovereto kenne. Aber immerhin gibt es keinen italienischen Schaffner, der versucht für Recht und Ordnung zu sorgen, sondern alles geht seinen entspannten Gang und irgendwie bekommen wir tatsächlich alle Räder in den Zug gestapelt - typisch deutsch eben.

In Mechernich steigt Eddy zu und so sieht das dann im Zug aus:

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Wir sparen uns das Teilstück Hellental - Kronenburg, den Track können wir ja von der Eifelvereins-HP nehmen und ich bin dieses recht unspektakulräe Wegstück schon 2004 mit Birgit gefahren. Also rollen wir über den Radweg von Jünkerath nach Kronenburg um dort wieder in den HWW 5/6 einzusteigen. Wir schrauben uns recht zügig auf die erforderliche Höhe von >600 m ü. NN und fahren auf dem Rücken der Schneifel entlang. Eddy und Matthias verweigern zunächst den Trail, der parallel zur Bundesstraße verläuft, die in diesem Teil der Eifel gut ausgebaut, kurvenarm und asphaltiert ist. Aber der begleitende Tail ist eigentlich schöner und ich biege bei nächster Gelegenheit darauf ein - und erstaunlicherweise folgen die beiden mir. zur Mittagszeit verdrücken wir an der Teilung HWW 5 und 6 auf der Höhe unsere Brötchen und fahren dann auf Forstautobahnen Richtung Prüm ab. Vor Prüm noch ein letzter Berg, über den Kalvarienberg und runter in den Ort zu Kaffe und Kuchen und einer Fotosession an der Treppe vor der Basilika, die Eddy und ich ca. 10x eng hintereinander und nebeneinander runterfahren müssen. (vgl. auch die ausführlicheren Beschreibungen von 2004)

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Von Prüm geht es supersteil bergauf, quer zur Schönecker Schweiz mit einigen Sandsteinfelsen und dann an der Nims entlang im eifeltypischen ständigen und zermürbenden Auf- und Ab. Irgendwann queren wir von der Nims an die Prüm, Eddy hat in Waxweiler Hotezimmer für uns reserviert - erstaunlicherweise waren die Hotels teilweise ausgebucht. Später haben wir dann herausgefunden, dass in Luxemburg ein großes Motorradtreffen stattfand. Vor Waxweiler an der MAriensäule gibt es dann die erste richtige Trailabfahrt des Tages, leider viel zu kurz.

Die Mariensäule haben die Waxweiler Bürger 1948 errichtet als Dank dafür, das der Ort im 2. Weltkrieg fast vollständig von Zerstörungen verschont geblieben ist.

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Photosession an der Mariensäule

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Trailabfahrt nach Waxweiler

Im Hotel in Waxweiler setzen sich dann die eifelspezifischen Erlebnisse des ersten Teils fort. Zunächst werden wir durch Feuertüren und über mehrere verwinkelte Treppen vom ebenerdig gelegenen Eingangsbereich ca. 4 Stockwerke nach unten geführt um unsere Zimmer in Augenschein zu nehmen. In der Erwartung, im feuchten Kerker zu landen sind wir ganz überrascht, dass tatsächlich Tageslicht durch die Fenster fällt: das Haus steht so extrem im Hang! Die Möbel sind original aus den 60er Jahren übrig geblieben, der Rückweg zu den Speise- und Trinkstätten des Hauses gelingt allerdings im ersten Versuch nur unter Zuhilfenahme der Trackback- Funktion des GPS.

Dann wollen wir gerne etwas essen. Die Chefin stellt uns vor die Alternative, entweder sofort uns auf ein Gericht zu einigen (also alle drei essen dasselbe) oder bis ca. 21 Uhr zu warten, so genau könne sie das aber nicht sagen. Die Küche sei mit einer Gesellschaft, die jetzt gerade ankommt, ausgelastet. Wir gehen zum Überlegen in den im Haus befindlichen Kneipenraum, dort sitzt der Großvater des Hauses, der ein wenig an den im Hof Moos ansetzenden Patriarchen aus “100 Jahre Einsamkeit” erinnert, und erledigt in einer unglaublichen Gelassenheit unsere Bestellungen. Die Chefin kommt nochmalskurz rein und teilt uns freudenstrahlend mit, dass wir auch Kartoffelnm Schweinbraten und Rotkohl sofort haben können. Wir verzichten dankend und gehen die Straße runter in eine Pizzeria. Auch hier Merkwürdigkeiten: Hobby-Künstler-Bilder erschlagen den Raum, der ansonsten den Charme einer Schulmensa versprüht, ein netter Chef und eine Karte mit ca. 500 verschiedenen Gerichten (außer uns sind noch 4 weitere Gäste da). Das Essen und die Getränke sind aber schnell da, die Portionen groß und lecker.

Zurück im Hotel schläft Matthias beim Sportstudio-Gucken dreimal auf unserem Sofa ein, bis wir ihn dazu bekommen, die Nacht in seinem Bett zu verbringen (Vielleicht hatte er alleine Angst vor den riesigen Weberknechten, die den Keller bevölkern?)

Sonntag, 30.08.200945_Eifel

Das Frühstück nehmen wir wohl behütet durch die örtlichen Tollitäten der letzten Jahrhunderte ein, vor der Tür bewundern wir noch ein phantastisches Zündapp-Gespann (sieht so aus wie dieses - leider sind meine Bilder davon total falsch belichtet).

Bei bestem Wetter geht es an der